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Mit dem Schengener Abkommen sind in Europa weitgehend
die Grenzen gefallen; jene konstruierten kartografischen
Trennlinien, welche die Territorien nationaler Identität
noch einmal markiert verstärkten, sind gelöscht;
an ihre Stelle tritt die große Gemeinschaft, welche
die Idee der Nation weitgehend einebnet oder gar beseitigt.
Die gefallenen Schranken eröffneten aber auch den
ungebrochenen Transitverkehr der Alpen und verwandelten
die großen Täler zu dichten Verkehrsbahnen.
Infrastrukturen überlappen sich, überlagern
einander, erinnern an Erdwürmer, die in den Boden
verschwinden und wieder auftauchen, sich drehen und
aneinander winden; dabei jedoch zeugen sie von einer
Indifferenz und Gleichgültigkeit gerade jenem Territorium
gegenüber, durch das sie ziehen. Und so geschieht
es, dass sich wieder neue Formen von Grenzen aufziehen,
die historisch Gewachsenes zerreißen und unüberschreitbare
Barrieren auftun; gleichzeitig jedoch nehmen sie auch
die Fähigkeit von Durchgängen oder Strömen
nicht wahr, Territorien, die sie durchschreiten, zu
verbinden.
Was aber geschieht mit der Welt, die sich rund um sie
lagert? Was geschieht mit der Welt, die mühsam
versucht, die Risse, die sie erfahren hat, wieder zu
nähen?
Für die Zugfahrenden schwindet das Blickfeld, sie
durchfahren eine Landschaft, ohne sie zu erfahren und
zu sehen. Was bleibt, ist das manchmal auch unausgedrückte
Bedürfnis, stehen zu bleiben, die Landschaften
zu sehen oder auf einen Waggon zu steigen, um zu erfahren,
an welchen Orten und Plätzen der Zug vorbeifährt.
Manchmal erinnert auch der Name eines Zuges oder Waggons
noch an ein Reisen, das sicherlich beschwerlicher und
mühseliger war, aber von einem unglaublichen Reichtum
an Eindrücken und Erfahrungen des allmählichen,
langsamen Fortbewegens begleitet war. Der Verlust des
Schauens, welchen das heutige Zugfahren eingegangen
ist, ist paradigmatisch für eine Gesellschaft auf
ihrem Weg der abhanden kommenden Kommunikation und der
fortschreitenden Selbstreferenzialität.
Die Exkursion führt entlang des Eisacktales und
durch eine Reihe von Rissen und landschaftlichen Gefährdungen.
Begleitet wird die Exkursion von Mosè Ricci,
der für die italienischen Eisenbahnen ein neues
Modell des Schutzes ausarbeitet, nämlich ein Konzept
von Lärmschutzwänden, das den ästhetischen
mit dem ethischen Anspruch von Architektur verbindet
und mit sensiblem Instrumentarium in die Landschaft
eingreift.
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