kunst Meran im haus der Sparkasse | Merano arte edificio Cassa di Risparmio

 
 
 

 

 


.scapes

schleichende landschaften: infra.scape           

 

schleichende landschaften --- programm
elektro.scape --- 04.07.2004 --- naturns
lawinen.scape --- 31. juli 2004 --- pfelders
ski.scape --- 05.09.2004 --- wolkenstein
infra.scape --- 16.10.2004 --- waidbruck

Foto: Arch. Demetz

infra.scape

16.10.2004

 
Was: Entlang der Infrastrukturen der Wegsamkeit und des Transportes im Eisacktal zu geologischen Rissen und landschaftlichen Gefährdungen. Europa bedeutet auch ungebrochener Transitverkehr durch die Alpen, und die großen Täler werden so zu dichten Verkehrsbahnen.
Mit: Mosè Ricci (Beauftragter der italienischen Eisenbahnen für ein neues Modell von Lärmschutzbauten)
Wo: 15.00 Uhr KARDAUN, Dorfplatz
16.15 Uhr ATZWANG, Parkplatz Gasthof Alte Post
17.00 Uhr WAIDBRUCK, Hauptplatz
18.00 Uhr Gespräch beim Törggelen (14,00 E) in Villanders, Larmhof, St. Moritz 18
Anmeldung: kunst Meran, Tel. 0473 212643, info@kunstmeranoarte.com

Mit dem Schengener Abkommen sind in Europa weitgehend die Grenzen gefallen; jene konstruierten kartografischen Trennlinien, welche die Territorien nationaler Identität noch einmal markiert verstärkten, sind gelöscht; an ihre Stelle tritt die große Gemeinschaft, welche die Idee der Nation weitgehend einebnet oder gar beseitigt.
Die gefallenen Schranken eröffneten aber auch den ungebrochenen Transitverkehr der Alpen und verwandelten die großen Täler zu dichten Verkehrsbahnen. Infrastrukturen überlappen sich, überlagern einander, erinnern an Erdwürmer, die in den Boden verschwinden und wieder auftauchen, sich drehen und aneinander winden; dabei jedoch zeugen sie von einer Indifferenz und Gleichgültigkeit gerade jenem Territorium gegenüber, durch das sie ziehen. Und so geschieht es, dass sich wieder neue Formen von Grenzen aufziehen, die historisch Gewachsenes zerreißen und unüberschreitbare Barrieren auftun; gleichzeitig jedoch nehmen sie auch die Fähigkeit von Durchgängen oder Strömen nicht wahr, Territorien, die sie durchschreiten, zu verbinden.
Was aber geschieht mit der Welt, die sich rund um sie lagert? Was geschieht mit der Welt, die mühsam versucht, die Risse, die sie erfahren hat, wieder zu nähen?
Für die Zugfahrenden schwindet das Blickfeld, sie durchfahren eine Landschaft, ohne sie zu erfahren und zu sehen. Was bleibt, ist das manchmal auch unausgedrückte Bedürfnis, stehen zu bleiben, die Landschaften zu sehen oder auf einen Waggon zu steigen, um zu erfahren, an welchen Orten und Plätzen der Zug vorbeifährt. Manchmal erinnert auch der Name eines Zuges oder Waggons noch an ein Reisen, das sicherlich beschwerlicher und mühseliger war, aber von einem unglaublichen Reichtum an Eindrücken und Erfahrungen des allmählichen, langsamen Fortbewegens begleitet war. Der Verlust des Schauens, welchen das heutige Zugfahren eingegangen ist, ist paradigmatisch für eine Gesellschaft auf ihrem Weg der abhanden kommenden Kommunikation und der fortschreitenden Selbstreferenzialität.

Die Exkursion führt entlang des Eisacktales und durch eine Reihe von Rissen und landschaftlichen Gefährdungen. Begleitet wird die Exkursion von Mosè Ricci, der für die italienischen Eisenbahnen ein neues Modell des Schutzes ausarbeitet, nämlich ein Konzept von Lärmschutzwänden, das den ästhetischen mit dem ethischen Anspruch von Architektur verbindet und mit sensiblem Instrumentarium in die Landschaft eingreift.