
demnächst
Arnold Mario Dall’O
money eat soul
Geld kann man nicht essen
Kunst darf die Probleme in der Welt nicht ignorieren. Der Hunger nimmt weltweit zu, die Preise für Reis, Mais und Getreide haben sich im Laufe eines einzigen Jahres verdreifacht, und es gibt Völker, die von sehr wenig leben, aber nicht von nichts leben können. Die Reis erzeugenden Länder erhöhen die Exportsteuern, um vor Ort Aufstände und Bürgerkriege zu unterbinden: vor Hunger kann man sterben, aber auch töten.
Während bei uns im Rahmen wichtiger Nahrungsmittelmessen wie der “Cibus” in Parma Kunstwerke gerühmt werden, die aus Lebensmitteln wie Schinken und Lachs bestehen, wächst die Armut in der Welt und bei uns zu Hause. In diesem Jahr lautet der Slogan: “A world of food around you”. Das alles entspricht nicht der Realität. Die FAO hat schon vor Jahren der Armut den Krieg erklärt. Vielleicht ist es erforderlich, das Gegenteil zu machen und dem Reichtum den Krieg zu erklären.
Die Welt vermittelt den Eindruck eines geplünderten Discount-Ladens, während auf Kunstversteigerungen mit Werken von jungen Künstlern, Beträge erzielt werden, die selbst Caravaggio niemals erreicht hat. Ist die Kunst denn weltfremd?
Dieser Gedanke liegt nahe, der Geldfluss für nicht lebensnotwendige Dinge ist nicht nachvollziehbar. Das Geld frisst die Seele auf, es hat sie sogar schon verschlungen. Man denkt nur in ökonomischen Begriffen: wieviel ist das Werk wert? Man bezieht sich allein auf Summen, nicht aber darauf, welchen Wert das jeweilige Werk im kuturellen Kontext hat.
Anlässlich der Manifesta 7 - einem der bedeutendsten Kunstevents weltweit - stellt Arnold Dall’O diese Überlegungen - frei von jeglichem Moralismus - an.
“Das Geld ist rund und gleitet aus der Hand”, sagte Goethe, wichtig ist nur, dass man es hat. Die Welt von heute konzentriert sich auf wenige Reiche, während die Armut vieler zunimmt.
Alle lesen die Statistiken von “Forbes”, um dort die Namen der Mächtigen dieser Erde zu erfahren. Die Summen, die für berühmte Gemälde bezahlt werden, sind dermaßen hoch, dass man sie gar nicht mehr begreifen kann - ca. 100 Millionen Euro für einen Bacon. Das Wettrennen um immer höhere Preise ist voll im Gang - Kunst ist immer mehr Phänomen und immer weniger Erfahrung. Dall’O hingegen will mit seinem Projekt einen Vergleich wagen und temporär eine Annäherung der beiden Werte versuchen.
Die Brotblättchen, die verteilt werden, sind ein Nahrungsmittel. Sie sind aus Getreide und Wasser – nicht mehr und nicht weniger. Nahrung für den Körper und in der Folge für den Geist. Geld hingegen kann man nicht essen. Wir können die Seele aufrichten, indem wir wieder lernen, uns mit Gemeinsamkeit und Nähe zu stärken. Das Geld frisst die Seele auf, deshalb muss man ihr einen Wert geben, der über den reinen Geldwert hinausgeht. Aber zu wachsen heißt auch, sich zu informieren. Wie viele Nachrichten erreichen uns nie, wie viele Nachrichten werden von unnützen Meldungen überlagert? Die Kunst darf sich nicht dem System anpassen, das die Realität verzerrt und sich nur danach richtet, wie man sich in der Szene die größte Aufmerksamkeit verschafft. Bei Dall’O wird nichts verkauft. Es werden Brotblättchen und Informationen verschenkt. Der Künstler will mit dieser Aktion im Rahmen von Manifesta einen Beitrag leisten, der die Mechanismen des Kunstmarktes hinterfragt. Welche Entwicklung die Kunst machen wird, wissen wir nicht, wir sehen aber, wie ihre Vermarktung erfolgt.
Wird das Geld allein zur Maxime, haben auch jene, die die Kunst verstehen und sich an ihr aufrichten wollen, keine Chance. Auch die Seele hat ihren Preis, wie wir seit Jahrhunderten wissen, aber dafür konnte der Mensch etwas Außergewöhnliches verlangen: sich Gott zu nähern, der Unsterblichkeit ins Auge zu sehen, einen Zustand außerhalb des Menschlichen zu erreichen. Heute ist die Problematik eine andere: man kauft – und Schluss. Das Geld vereinnahmt die Kunst zur Gänze, und nimmt ihr damit jegliche Möglichkeit einen anderen Wert als den Marktwert zu haben.
Die Performance von Arnold Dall’O verweist auf diese Gefahren, die bereits besteht. Darüberhinaus will der Künstler überraschen. Das Geld bildet die Grundlage von allem: alles ist konvertierbar, alles hat seinen Preis, den man aussprechen oder verschweigen kann. Und wenn es nicht so wäre? Wenn wir versuchten, und sei es auch nur für einen Augenblick, mit einem anderem Maß zu messen? Und wenn die Kunst dieses Paradigma wäre? Etwas, das in keiner Weise eingelöst werden kann?
Ezra Pound erkannte in seinen Utopien, dass das Geld die Quelle von vielen, wenn nicht gar von allen Übeln ist. Vielleicht können wir diese Performance gerade im Namen einer derartigen Utopie als nützlich betrachten, denn sie zwingt uns zum Nachdenken.
Valerio Dehò
italiano
english
|

www.republicofwelcome.net
Mit freundlicher Unterstützung:
Stiftung Südtiroler Sparkasse – Südtiroler Sparkasse
Autonome Provinz Bozen – Südtirol
Amt Für Familie und Kultur
Ufficio Cultura
Gemeinde Meran Referate für Kultur
Etschwerke AG Meran - Bozen
Meraner Mineralwasser |