kunst Meran im haus der Sparkasse | Merano arte edificio Cassa di Risparmio

 

 

 

 


Stretch Sculpture

Sissi

Meistens geht den skulpturalen Objekten der aus Bologna stammenden, unter dem Pseudonym Sissi arbeitenden Künstlerin ein performativer Aspekt voraus. Die Skulpturen verbleiben als Häutungen oder Hüllen ihrer aktiven Präsenz im Raum zurück.


Nidi (Nester), 2004
Rattangeflecht und bemaltes Küchenrollenpapier, variable Formate. Installation im Atelier der Künstlerin im Collegio Venturoli, Bologna (Foto: Ela Bialkowska)

Das wuchernde Flechtwerk der Nidi (Nester), das über die Treppe des Meraner Kunsthauses hochrankt, verzichtet auf den vorausgehenden Akt. In diesem Fall schreibt die Künstlerin den Objekten selber die Kräfte zu, die eigentlich die Lebewesen haben, die sich normalerweise in den Nestbauten niederlassen. Die aus Rattan und farbgetränktem Küchenpapier geflochtenen Nester werden selbst flügge, sind nicht mehr verlassene Behausungen oder Wartesäle für die Aufzucht, sondern „leibhaftige“ Organismen. Die in die Objekte hineinprojizierten Assoziationen gewinnen plötzlich ein Eigenleben, sodass die „animierten“ Plastiken in einem Eindruck unberechenbarer Anarchie über sich selbst hinauszuwachsen scheinen, als Keimlinge einer Ortsverrücktheit, als topologische Surrealismen der eigenen Körperlichkeit.

Text: Marion Piffer Damiani, Auszug aus dem einleitenden Essay des Ausstellungskatalogs


Nido (Nest) 2004 Rattangeflecht und bemaltes Küchenrollenpapier ca. 400 x 200 x 60 cm (Foto: Ela Bialkowska), Detail