Stretch Sculpture
Peter Senoner
Das englische Adjektiv "stretchy" bedeutet elastisch,
dehnbar, geschmeidig. Der Begriff "Flexibilitat"
verkörpert einen Leitbegriff im Glossar der Gegenwart,
stammt aber ursprünglich aus der Botanik und bezeichnete
das "Verhaltnis von Biegsamkeit und Beharrungsvermögen"
in der Pflanzenwelt. Die jungsten Skulpturenensembles von
Peter Senoner greifen auf die Naturmetapher zurück und
referieren größere Zusammenhänge.

Monomon, Passo Sella 17.08.2004, 2002–04
Holz, Aluminiumguss, Kryolithglas 205 x 300 x 80 cm
(Foto: Silja Addy)
Mit Vorliebe umgarnt der Künstler die Schaulust des
Betrachters mit einer Welt aus vegetabilen und zoomorphen
Formen - nicht im Sinne eines illusionistischen Eskapismus,
sondern als seismographische Projektionsfläche von Sehnsüchten
und Ängsten, als metaromantischer Gegenentwurf zu den paradoxerweise
beunruhigenden Rationalitätsschemata statistischer Daten und
Risikoberechnung. Die Pflanzenhybride und kreatürlichen Protagonisten
des Künstlers beschwören nicht Wesen aus dem Unbewussten,
sondern finden ihr Referenzmaterial in einem breiten Reservoir
der Kunst- und Naturgeschichte gleichermaßen wie in den Bildern
von Magazinen, Filmen und Fernsehen.

Pseudopubleurum01, 2005
Installation, Bleistift und Farbstift auf Papier 410 x 275
cm
Holz 100 x 40 x 40 cm
Die bildnerische Strategie ist nicht das vordergründige Zitat,
sondern ein Arbeiten in Bildschichten – Computeranimation
und Videoprojektion überformen die klassischen Medien der
Zeichnung und Bildhauerei. Die dschungelhafte Dramaturgie,
die sich als Hintergrundfolie die Darstellungskonventionen
der Naturforschung aneignet, besteht aus großformatigen Bleistiftzeichnungen.
Daraus erwachsen kleinformatige Skulpturen, die in Kombination
mit illusionistischen computergenerierten Animationen zwischen
der Beschwörung des Phantastischen und Techniken naturwissenschaftlicher
Objektivierung oszillieren, zwischen Naturvorstellung und
Naturforschung, aber auch zwischen dem Artefakt der Kunst
und der Künstlichkeit der Natur.

Sensoroticron,
2003
Installation Holz 45 x 25 x 20 cm, Audio, Video
Im Vordergrund stehen also mediale Überarbeitungshandlungen,
die das handwerklich virtuos ausgeführte (skulpturale)
Objekt/Wesen der Imagination auf einer zweiten Ebene fiktionalisieren
und in einer Synthese aus Emotion und Reflexion die Semantik
eines ambivalenten Systems offenlegen.
Text: Marion Piffer Damiani, Auszug aus
dem einleitenden Essay des Ausstellungskatalogs
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