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Stretch Sculpture

Sukenari

Im Unterschied zum zweidimensionalen Bild bezieht die dreidimensionale Skulptur den wahrnehmenden Rezipienten nicht nur als Betrachter, sondern auch als „Begeher“ ein. Sukenari tastet für seine architektonischen Skulpturen zunächst die Bedingungen und Möglichkeiten des Raumes ab, Horizontalität, Vertikalität, Raumtiefe.


Ohne Titel, 1994
Sperrholz, Holz, Farbe 273 x 423 x 232 cm
(Foto: Tadasu Yamamoto)

Mit überdimensionierten farbigen Segment- und Röhrenformen „korrigiert“ der Künstler die Raumerfahrung, weniger um das jeweils Spezifische zu evidenzieren, als vielmehr um sie im Rahmen seiner eigenen Logik in Besitz zu nehmen. Was sich im Raum monumental aufbläht, wird als zusammengefaltetes Stoffpaket einfach im Reisegepäck antransportiert. Die prallen Volumen der Skulpturen, die die morphologische Vielfalt der geometrischen Grundformen Zylinder, Kegel, Quader... im Raum ausspielen, sind mit Luft gefüllt und werden von einem Kompressor in Form gehalten. Das Faszinosum der Formen gründet auf dem Paradox einer konzentrierten Ausschweifung, die Reduziertheit und Komplexität, Analyse und Emotion, das Vokabular des Minimalismus mit der heftigen grellen Umgebung des heutigen Japan zu verbinden weiß. Die traditionelle Askese der geometrischen Form trifft in Sukenaris aufblasbaren Installationen auf zeitgemäße Materialien wie Plastik und Nylon und eine entsprechende Farbigkeit, die an die konventionellen Oberflächen seines urbanen Lebensalltags erinnert.


Heaven Peace Blood, 2003
Nylon,Ventilator 353 x 1142 x 91 cm

Häufig spielt der Künstler – wie auch im Kunsthaus Meran – zwei Elemente, zwei Farbigkeiten gegeneinander aus, die als präzise Konfiguration den Raum in einen ganzheitlichen Bildraum verwandeln und den Betrachter direkt in dessen – man möchte fast sagen illusionistische – Mitte versetzen.


Heaven Peace Blood, 2003
Nylon,Ventilator 353 x 1142 x 91 cm

Das plastische Verfahren des Aufblasens, die kapriziöse Geometrie der Formen und die kokette Sinnlichkeit der Farbgebung bewirken trotz des Großformats der Skulpturen eine luftige Dreidimensionalität, die nicht gewichtig im Raum liegt, sondern sich schwerelos darin ausdehnt. Das pneumatische Prinzip unterwandert den stilisierten Minimalismus der japanischen Tradition, aber auch die traditionelle Schwere der Abstraktion. So entstehen reduzierte und doch virulente farbige Figuren einer Gegenwärtigkeit, die die Wahrnehmung des Betrachters herausfordert.

Text: Marion Piffer Damiani, Auszug aus dem einleitenden Essay des Ausstellungskatalogs